2015

Geschafft......eines Sprinters AlpTraum 2015

2015-12-01 12:00

 

Es ist geschafft, 
im dritten Anlauf habe ich endlich meine lang geplante Alpenüberquerung mit dem Rennrad hinter mich gebracht. Leider nicht wie ursprünglich gewollt, da mir der Wettergott für die ersten beiden Tage einen gewaltigen Strich durch die Rechnung gemacht hat. Sturm, Starkregen und Hagel haben jeden auch noch so kleinen Gedanken ans Fahrradfahren schon im Ansatz erstickt!  
Fahrzeiten-und Streckenführung musste ich daher ändern, auch, weil ich ja die Hotels unterwegs bereits gebucht hatte. Aber mit ein paar Telefonaten und E-Mails konnte ich das alles relativ problemlos neu organisieren. Nur mit dem Nachteil, dass die ehemals gedachten 6 Etappen leider auf 4 zusammen geschrumpft sind. 
Dazu kam noch, dass durch die vielen, sehr starken Regenfälle der voran gegangenen Tage ein Großteil der Radwege und Nebenstraßen überschwemmt bzw. verschüttet und somit gesperrt waren. Ich bin zwar dennoch weitestgehend meinem Roadbook und meinen GPS-Daten gefolgt, aber ich stand häufig vor gesperrten Wegen und musste mehr als einmal umkehren, ausweichen, improvisieren. 
Etwas nervig war ebenso, dass ich, trotz angeblich rennradtauglicher Wege, oft vor Holperstrecken stand, die kaum mit einem Mountainbike zu befahren waren. Das hat mich ebenfalls immer mal wieder zu einer Umkehr gezwungen.
    
Dennoch hat das alles meine Begeisterung nicht geschmälert. Ich hatte zudem Glück, dass ich morgens zwar immer mit trüben, dunklen Wolken starten musste, aber auf jedem einzelnen Abschnitt hatte ich ab dem späten Vormittag strahlenden Sonnenschein und ich konnte meine wärmenden Klamotten ausziehen.
Erstaunt hat mich, wie gut ich über den Reschenpass gekommen bin. Den hatte ich mir schwieriger vorgestellt. Definitiv am schwersten war für mich dagegen der Andalosattel, übrigens Zielort der 16. Etappe des Giro d’Italia 2016. Da ging es über mehr als 20 Kilometer mit überwiegend 2-stelligen Prozentzahlen knackig bergauf. Das war schon sehr hart. 
Dazu kam, dass ich in dem Moment nicht wusste, ob ich tatsächlich auf dem richtigen Weg bin. Der Anstieg kam nur wenige Kilometer nach dem Start auf diese Etappe und ich hatte mir noch im Hotel den Weg bestätigen lassen. Es hieß, ich soll der Ausschilderung folgen und gleich an der ersten Kreuzung links abbiegen. Fakt ist, an dieser Kreuzung war weit und breit kein Schild zu sehen. Geradeaus wäre ich allerdings auf eine Autobahn gefahren, also dachte ich mir, dass dies der richtige Weg sein muss.
Ich habe mich, mit einem schlechten Gefühl im Bauch, den Berg hoch gekämpft und war unendlich erleichtert, als ich nach dieser Schinderei dort oben Schilder entdecken konnte, die mir gezeigt haben, dass alles gut ist. Ich war auf dem richtigen Weg!
Nebenbei bemerkt, die Ausschilderung war ein grundsätzliches Thema während der gesamten Tour. Auf dem Weg nach Meran war z.B. tatsächlich Rom auf einem Radweg angezeigt, aber der nächste Ort, der nur wenige Kilometer entfernt ist, war auf keinem einzigen Schild zu lesen.
An diese seltsame Weg- oder eher Richtungsbeschreibung muss man sich erst mal gewöhnen. Aber wenn man weiß, wo man hin will, ist das nicht so schwer. Zudem hatte ich ja mein Navi dabei, das mir trotz einiger Unwägbarkeiten (siehe oben), gute Dienste geleistet hat.  
Ich kann nicht sagen, welcher Abschnitt der schönste war. Die Eindrücke und Ausblicke waren allesamt einfach nur gigantisch. Ich bin stundenlang durch Apfelplantagen gefahren und von Eppan über Kaltern nach Tramin durch nicht enden wollende Weinberge. Die wunderschönen klaren Bergseen, der Weitblick über die massigen und zutiefst beeindruckenden Gipfel, über sattgrüne und sanfte Wiesenhügel oder auf die Wolken unter mir, ... ich habe letztendlich jeden Kilometer und jede Pedalumdrehung einfach nur genossen. Ich hatte keinen Sturz, keine Panne, aber dafür unfassbar imposante Ausblicke und Eindrücke. 
Als ich schließlich den ersten Blick auf den Gardasee werfen konnte, von Tenno aus, war das echt überwältigend. Am liebsten hätte ich umgedreht und wäre sofort die gleiche Strecke wieder zurück gefahren. 
Am Gardasee selbst musste ich noch weitere ca. 30 Km. über Torbole bis nach Brenzone fahren. Das war landschaftlich absolut faszinierend, allerdings hat mir der massige Verkehr auf dieser engen Uferstraße die Lust am Radfahren genommen. Es sind dort erstaunlich viele Rennradler unterwegs, aber ich war, ehrlich gesagt, froh, als ich diesen Teil endlich hinter mich gebracht hatte. 
Ursprünglich hatte ich angedacht, während unseres Aufenthaltes dort auch mal eine Runde um den See zu fahren, aber diese Idee habe ich schnell aus meinem Kopf gestrichen. Das hätte mir definitiv keinen Spaß gemacht.
Obwohl man schon mitbekommen hat, dass Rennrad fahren in Italien offensichtlich einen ganz anderen Stellenwert hat. Da hupt, schimpft und flucht niemand, wenn man als Rennradler auf der Straße unterwegs ist. 
So geht es also auch, wenn beide Seiten Rücksicht aufeinander nehmen.
Thomas

Es ist geschafft, 

im dritten Anlauf habe ich endlich meine lang geplante Alpenüberquerung mit dem Rennrad hinter mich gebracht. Leider nicht wie ursprünglich gewollt, da mir der Wettergott für die ersten beiden Tage einen gewaltigen Strich durch die Rechnung gemacht hat. Sturm, Starkregen und Hagel haben jeden auch noch so kleinen Gedanken ans Fahrradfahren schon im Ansatz erstickt!  
Fahrzeiten-und Streckenführung musste ich daher ändern, auch, weil ich ja die Hotels unterwegs bereits gebucht hatte. Aber mit ein paar Telefonaten und E-Mails konnte ich das alles relativ problemlos neu organisieren. Nur mit dem Nachteil, dass die ehemals gedachten 6 Etappen leider auf 4 zusammen geschrumpft sind. 

Dazu kam noch, dass durch die vielen, sehr starken Regenfälle der voran gegangenen Tage ein Großteil der Radwege und Nebenstraßen überschwemmt bzw. verschüttet und somit gesperrt waren. Ich bin zwar dennoch weitestgehend meinem Roadbook und meinen GPS-Daten gefolgt, aber ich stand häufig vor gesperrten Wegen und musste mehr als einmal umkehren, ausweichen, improvisieren. 

Etwas nervig war ebenso, dass ich, trotz angeblich rennradtauglicher Wege, oft vor Holperstrecken stand, die kaum mit einem Mountainbike zu befahren waren. Das hat mich ebenfalls immer mal wieder zu einer Umkehr gezwungen.    Dennoch hat das alles meine Begeisterung nicht geschmälert. Ich hatte zudem Glück, dass ich morgens zwar immer mit trüben, dunklen Wolken starten musste, aber auf jedem einzelnen Abschnitt hatte ich ab dem späten Vormittag strahlenden Sonnenschein und ich konnte meine wärmenden Klamotten ausziehen.

Erstaunt hat mich, wie gut ich über den Reschenpass gekommen bin. Den hatte ich mir schwieriger vorgestellt. Definitiv am schwersten war für mich dagegen der Andalosattel, übrigens Zielort der 16. Etappe des Giro d’Italia 2016. Da ging es über mehr als 20 Kilometer mit überwiegend 2-stelligen Prozentzahlen knackig bergauf. Das war schon sehr hart. 
Dazu kam, dass ich in dem Moment nicht wusste, ob ich tatsächlich auf dem richtigen Weg bin. Der Anstieg kam nur wenige Kilometer nach dem Start auf diese Etappe und ich hatte mir noch im Hotel den Weg bestätigen lassen. Es hieß, ich soll der Ausschilderung folgen und gleich an der ersten Kreuzung links abbiegen. Fakt ist, an dieser Kreuzung war weit und breit kein Schild zu sehen. Geradeaus wäre ich allerdings auf eine Autobahn gefahren, also dachte ich mir, dass dies der richtige Weg sein muss.

Ich habe mich, mit einem schlechten Gefühl im Bauch, den Berg hoch gekämpft und war unendlich erleichtert, als ich nach dieser Schinderei dort oben Schilder entdecken konnte, die mir gezeigt haben, dass alles gut ist. Ich war auf dem richtigen Weg!

Nebenbei bemerkt, die Ausschilderung war ein grundsätzliches Thema während der gesamten Tour. Auf dem Weg nach Meran war z.B. tatsächlich Rom auf einem Radweg angezeigt, aber der nächste Ort, der nur wenige Kilometer entfernt ist, war auf keinem einzigen Schild zu lesen.

An diese seltsame Weg- oder eher Richtungsbeschreibung muss man sich erst mal gewöhnen. Aber wenn man weiß, wo man hin will, ist das nicht so schwer. Zudem hatte ich ja mein Navi dabei, das mir trotz einiger Unwägbarkeiten (siehe oben), gute Dienste geleistet hat.  

Ich kann nicht sagen, welcher Abschnitt der schönste war. Die Eindrücke und Ausblicke waren allesamt einfach nur gigantisch. Ich bin stundenlang durch Apfelplantagen gefahren und von Eppan über Kaltern nach Tramin durch nicht enden wollende Weinberge. Die wunderschönen klaren Bergseen, der Weitblick über die massigen und zutiefst beeindruckenden Gipfel, über sattgrüne und sanfte Wiesenhügel oder auf die Wolken unter mir, ... ich habe letztendlich jeden Kilometer und jede Pedalumdrehung einfach nur genossen. Ich hatte keinen Sturz, keine Panne, aber dafür unfassbar imposante Ausblicke und Eindrücke. 

Als ich schließlich den ersten Blick auf den Gardasee werfen konnte, von Tenno aus, war das echt überwältigend. Am liebsten hätte ich umgedreht und wäre sofort die gleiche Strecke wieder zurück gefahren. 
Am Gardasee selbst musste ich noch weitere ca. 30 Km. über Torbole bis nach Brenzone fahren. Das war landschaftlich absolut faszinierend, allerdings hat mir der massige Verkehr auf dieser engen Uferstraße die Lust am Radfahren genommen. Es sind dort erstaunlich viele Rennradler unterwegs, aber ich war, ehrlich gesagt, froh, als ich diesen Teil endlich hinter mich gebracht hatte. 

Ursprünglich hatte ich angedacht, während unseres Aufenthaltes dort auch mal eine Runde um den See zu fahren, aber diese Idee habe ich schnell aus meinem Kopf gestrichen. Das hätte mir definitiv keinen Spaß gemacht.
Obwohl man schon mitbekommen hat, dass Rennrad fahren in Italien offensichtlich einen ganz anderen Stellenwert hat. Da hupt, schimpft und flucht niemand, wenn man als Rennradler auf der Straße unterwegs ist. 
So geht es also auch, wenn beide Seiten Rücksicht aufeinander nehmen.

Thomas

Geschafft......eines Sprinters AlpTraum 2015